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10.12.09

Bericht aus Kopenhagen Teil 5

Autor: Beni

Nachdem die Mahnwache der Solargeneration zu Ende ist, beginnt nun das eigentliche Seilziehen um die Zukunft des Planeten. Zum Abschluss unseres Aufenthaltes in Kopenhagen machen wir bei der Eröffnung des Weltklimagipfels noch einmal richtig Dampf.

Wie die ersten der mehr und weniger hohen 12’000 Delegierten am ersten Morgen der COP 15 zusammen mit tausenden Journalisten und NGO-Vertretern den Weg ins Bella Center antreten, sind wir bereits versammelt und einsatzbereit. Nicht nur der Eingangsbereich erzittert die ersten drei Stunden des Klimagipfels vom Trommeln und Gerappe unseres Ensembles. Der Kälte zum Trotz schreien wir ein letztes Mal Parolen wie „What do you want? – Climate Justice! – When do you want it? – Now!“, „There ain’t no power like the power of the people ’cause the power of the people don’t stop“ und natürlich „Our Climate. Our Future. Your Decision.“, wobei letzteres nun endlich die richtigen Ohren treffen sollte. Wer nicht auf ein Plastikfass eindrischt und keine Pfeife im Mund hat, versucht die Entscheidungstragenden auf andere Arten für die Jugend zu gewinnen: Einige verteilen den Eintreffenden als morgendlichen „Wake-Up-Call“ Kaffee oder laden sie zu Fotoaufnahmen mit Sprechblasen ein, die einen „Fairen, Ambitiösen und Bindenden Deal“ verlangen oder ein „wissenschaftlich fundiertes Abkommen“. Wieder andere verteilen rot blinkende „politicians talk – leaders act“-Buttons, mit denen Delegierte während den Diskussionen geräuschlos ihre strikte Ablehnung gegen jegliche Verwässerungsversuche eines echten Vertragswerks zum Ausdruck bringen können.
Das ist jedoch alles, was wir zum positiven Verlauf der Verhandlungen noch beizusteuern haben. Den Rest legen wir in die Hände der sechs verbleibenden Greenpeace-Jugenddelegierten, die der Konferenz bis zum Ende beiwohnen und dank Beobachterstatus auch im Innern des Konferenzzentrums unsere Anliegen vertreten können werden. Bevor wir Abreisen, gibt es noch einmal ein kräftiges Getrommle und den bereits einschlägig bekannten SolarGeneration-Song passend zum winterlichen Kopenhagen:
„Uuuh, it’s hot in here! There’s too much carbon in the atmosphere!
Take action! Take action! And get some satisfaction!“

Während wir also wieder abziehen und uns bereits auf die Rückreise vorbereiten, beginnt im Bella Center die fünfzehnte Conference of the Parties (COP15), welche trotz all den feigen Absichtserklärungen im Vorfeld erfolgsversprechender denn je ist. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass in den letzten Monaten eine breite globale Bewegung für Klimaschutz und -gerechtigkeit entstanden ist, welche einen grossen Druck auf die bisherigen Politiker des Nichteingreifens ermöglichte. So sind wir denn auch nicht allein am Eingang zum Konferenzgebäude: Der deutsche BUND mahnt (in Zusammenarbeit mit Greenpeace Deutschland) mit seiner schmelzenden kleinen Hafenjungfer aus Eis vor der Polerwärmung, eine afrikanische Theater- und Musikgruppe setzt sonstige Folgen des Klimawandels audiovisuell um, und die rot gekleideten Mitglieder der Bewegung Global Climate Justice fordern von den reichen Ländern die „Begleichung ihrer Klimaschulden“. Es sind zwar dubiose Flugblätter im Umlauf, die den Umstieg auf Atomkraft oder einen „unzivilisierten“ Planeten ersehnen, doch die Mehrheit der zivilgesellschaftlichen Gruppen aus aller Welt fordern in Kopenhagen klar den Durchbruch von Vernunft und Gerechtigkeit in der globalen Klimapolitik.
Unser Ruf nach einem fairen, ambitiösen und gesetzlich bindenden Klimavertrag wird derweil im Pressezentrum der Weltöffentlichkeit vorgestellt. Ursprünglich war eine gross angelegte Flashmob-Aktion mit uns allen vor den Eingangstüren geplant, doch die privatere Variante innerhalb des Bella Centers dürfte einiges Medienwirksamer sein: Im Anschluss an die Eröffnungspressekonferenz mit UNFCCC-Generalsekretärs Yvo de Boer und COP-Präsidentin Connie Hedegaard betreten 6 unserer MitstreiterInnen zusammen mit 10 weiteren Jugendlichen den Saal und überreichen die mehr als 10 Millionen (!) Unterschriften der globalen Klimapetition von tcktcktck. Stellvertretend für die Millionen Unterzeichnenden und Milliarden möglichen Opfer des Klimawandels hält unsere Mahnwachenpartnerin Leah von den untergangsgefährdeten Fiji-Inseln dazu eine emotionale Rede, die es am nächsten Tag in die meisten Zeitungen schafft. Die globale Klimapetition ist also gebührend überreicht.

Erst zum Abendessen trifft sich die ganze Equipe wieder, und zwar bereits zum letzten Mal. Wir kehren anschliessend ins Hostel zurück und spielen bis in die späte Nacht offenbar weltweit bekannte Spiele oder singen zusammen. Für viele steht die Abreise schon früh am nächsten Morgen bevor, weshalb man sich mit Geschenken und Unterschreiben verschiedenster Flaggen voneinander verabschiedet. Es waren nur gut zehn Tage der gemeinsamen Mahnwache, aber der Abschied fällt doch schwer. Für den Fall, dass aus Kopenhagen nichts werden sollte, verabredet man sich schon jetzt für die COP 16 der UNFCCC kommendes Jahr in Mexiko. Aber eigentlich hoffen doch alle, dass dieses Treffen der TeilnehmerInnen sowohl der Mahnwache als auch der eigentlichen Klimakonferenz endlich einen Wendepunkt in der weltweiten Umweltpolitik bewirken kann. Während die Delegationen und Staatsoberhäupter dieser Tage im Bella Center noch um einen globalen Deal ringen, hat sich die Greenpeace-Jugend (respektive Solargeneration) jedenfalls schon erfolgreich als eine weltweite Bewegung begriffen und vernetzt.

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