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09.12.09

Bericht aus Kopenhagen Teil 4

Autor: Beni

Die Mahnwoche vergeht wie im Flug. Als man sich am Freitag zum letzten Abendmal im Zelt am Kongens Nytorv einfindet, lindert der bevorstehende Abbau die Stimmung jedoch keineswegs. Das Duo aus Russland organisiert ein Polka-Tanzen, was nicht nur unter uns Mahnwachenden niemanden kalt lässt: Ein vorbeikommender Profitänzer fühlt sich von der megaphonverstärkten Musik derart angesprochen, dass er uns zu den russischen auch noch einige irische Tanzschritte beibringt, was die Stimmung zusätzlich anheizt.

Man kennt und mag sich inzwischen so gut, dass der anschliessende Tagesrückblick rund ums lodernde Feuer sehr emotional wird. Nur Windstösse voll Asche oder betrunkene Passanten vermögen die Lagerfeueridylle vereinzelt zu beeinträchtigen. Während die meisten dann gemeinsam nach der nächsten Bar losziehen, beginnt für einige mit den Händen voll Flyers für die Demo vom 12. Dezember die letzte Nachtschicht.

Der Abbruch des Zelts am Samstag zieht sich über den ganzen Tag hinweg. Da nicht alle Hände gebraucht werden können, widmed man sich verschiedenen Aktivitäten zu: Einige fahren ins Greenpeace-Lager etwas ausserhalb der Stadt, um Bastelarbeiten für die restlichen Tage zu erledigen, manche sammeln die letzten Unterschriften zur Klimapetition und mobilisieren für die Demonstration in einer Woche. Wir nutzen die Zeit, um den morgigen Besuch vom Vertreter der Schweizer Botschaft vorzubereiten. Dafür begeben wir uns ins streng bewachte NGO-Center, welches für die Dauer des Klimagipfels im Stadtzentrum eingerichtet worden ist. Dort treffen wir Cyrill Studer, Verkehrscampaigner von Greenpeace Schweiz, der uns über die Erwartungen an die Schweiz bei der COP15 Auskunft gibt und uns Ratschläge zum Verfassen des Briefes an den Bundesrat gibt. Als der Abbruch des Zeltes am Abend endlich vollbracht ist, essen wir gemeinsam im Greenpeace-Büro. Zum erneut köstlichen Essen von Caterer Jacob spielen wir Musik und bereiten uns auf den morgigen Tag vor.

Am Sonntag gilt es schliesslich, die Früchte der Werbekampagnen der vergangenen Tage zu ernten. So tauschen wir unser Zelt am Kongens Nytorv gegen einen Stand am Wasser aus, von wo aus wir uns eine neue Umgebung zu eigen machen: An der nächstmöglichen Anlagestelle im Stadtzentrum liegt seit Mitte dieser Woche das Greenpeace-Schiff Arctic Sunrise. Der Eisbrecher steht heute der Öffentlichkeit offen, und wir präsentieren ihn. Während ein Teil unserer Gruppe mit Eisbären- und Kuhkostümen sowie lautstarkem Trommeln zahlreiche PassantInnen herbeilockt, kümmern sich die anderen an Bord um sie. Instruiert von Diederick, dem first mate (also dem Ranghöchsten nach dem Kapitän), erzählen wir Interessierten vom Schiff und führen sie durch verschiedene Räumlichkeiten. Wir erklären, wie aus dem französischen Robbenjagd- ein norwegisches Forschungs- und Versorgungsschiff und nach der Übernahme durch Greenpeace schliesslich das Kampagnenvehikel für die Polregionen wurde. Zu unserem Glück übernehmen die Schiffsmänner die Präsentation von Brücke und sonstigen Innenräumen mit Technik. Zum Abschluss gibt’s ein kleines Filmchen über die bisherigen Einsätze der Arctic Sunrise, bevor wir die BesucherInnen wieder an Land begleiten. Auch heute werden wieder Unterschriften gesammelt, als Einstimmung auf den morgigen Auftakt malen wir uns gegenseitig Friedenstauben mit Regenbogenschweif auf die Backen. Kurz vor Ende des Open-Boat-Day schaut zudem Kumi Naidoo vorbei, der Direktor von Greenpeace International.

Der wichtigste Gast für uns vom Jugendsolarprojekt ist jedoch der Vertreter der Schweizer Botschaft in Kopenhagen. Von den fünfzehn angeschriebenen hat diese als einzige die Gelegenheit wahrgenommen, jemanden an Bord zu delegieren und die Mitteilungen von uns Jugendlichen entgegenzunehmen. Schon frühmorgens haben wir deshalb den grössten Raum im Schiff mit rund 80 Klimafahnen (der grosse Rest blieb in der Schweiz) festlich hergerichtet und unsere Geschenke vorbereitet. Um der Übermittlung unserer Botschaften zusätzlichen Nachdruck zu verleihen, wird Konsul Werner Bardill vom Kapitän persönlich durch das Schiff geführt, bevor wir uns mit ihm besprechen. Er bringt grosses Verständnis für unsere Anliegen entgegen und schätzt unser Engagement, wähnt unsere Zukunft aber vielleicht in etwas zu guten Händen bei der offiziellen Delegation. Wir überreichen ihm einen Brief an Bundesrat Moritz Leuenberger und das COP15-Positionspapier von Greenpeace, was er gerne weiterzureichen gelobt. Für Herrn Bardill haben wir einen goldenen Stern vorbereitet, den er in einer Klimafahne verpackt in die Schweizer Vertretung im Gastgeberland der Weltklimakonferenz mitnimmt.

Am Ende des anstrengenden Tages verbringen wir einen letzten Abend zusammen mit allen Teilnehmenden an Bord der Arctic Sunrise. Es gibt wieder Essen von Jacob, der für seinen Einsatz während der Woche mit gebührendem Applaus verabschiedet wird. Anschliessend gibt’s musikalische und visuelle Beiträge von verschiedenen OrganisatorInnen, und als Überraschungsgäste gesellen sich Mitglieder der arabischen Jugendpresse zu uns. Bei ausgelassener Stimmung wird musiziert und zu libanesischen Songs getanzt, bevor wegen dem morgigen Konferenzbeginn die Rückkehr ins Hostel angetreten werden muss.

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